Wieviel digitale Medien sind für ein Kind gesund und wie geht man damit um?

Wieviel digitale Medien sind für ein Kind gesund und wie geht man damit um?

Mindestens 70% der Eltern würden bei dieser Frage erstmal resolut sagen „Ein Kleinkind braucht gar keine digitalen Medien, das kommt noch früh genug!“ Es gibt jedoch verschiedene Fakten, die dafür sprechen Kinder schon früh an digitale Medien heranzuführen.

Digitale Medien als Werkzeug der Zukunft verstehen

Ich behaupte mal viele von uns Eltern sind bereits mit dem Handy verheiratet. Man möge sich in Bahn, Läden, auf Partys usw. einmal ordentlich umsehen. Leuchtende Gesichter überall am besten mit Stöpsel in den Ohren, damit sie keiner anspricht. Wie sollen Kinder, die durch Beobachtung und Nachahmung lernen die Welt zu verstehen, begreifen, dass sie das Gerät, das Mama und Papa ständig benutzen, sie selbst erst ab einem bestimmten Alter in die Hände nehmen dürfen – und warum?

Wir möchten, dass unser Kind das Smartphone als Werkzeug versteht, nicht als reine Unterhaltungsmaschine, die viele andere – sehr wichtige! – Tätigkeiten wie Bewegung, freies Spiel, soziale Kontakte, u.v.m. ersetzt.
In der heutigen Arbeitswelt, sogar innerhalb sozialer Gefüge ist Smartphone und Tablet als Informationsbeschaffungsgerät nicht mehr wegzudenken.
Schulen integrieren stellenweise die Nutzung von Tablets in ihren Unterrichtsalltag. Woran es vielerorts mangelt ist die adäquate technische Fortbildung der Lehrkräfte. Der digitale Fortschritt ist eine Entwicklung, die kaum aufzuhalten ist. Die Gesellschaft nimmt diese Entwicklung an ohne sich dagegen im hohen Maße aufzulehnen. Daraus schließe ich: der Großteil der Gesellschaft entschied sich für die Technologie, nicht dagegen, wobei darüber diskutiert werden kann, ob diese Entscheidung bewusst getroffen wird. [Hierüber lassen sich ganze Bücher schreiben, was im Rahmen dieses Artikels nicht geleistet werden kann.]

Unsere Kinder gehören zu unserer Gesellschaft und nur unter unserer Aufsicht können wir sicher sein, dass der Gebrauch des Smartphones nicht zu dessen Missbrauch führt.

Nutzung der unstillbaren Neugier eurer Kinder zur Förderung ihrer Medienkompetenz

Während des dritten Lebensjahres kumuliert die Anzahl der Synapsen (neuronale Verknüpfung) im Gehirn eines Kindes. Damit ist ihr Gehirn hochaktiv in dieser Phase. Wir denken an die Neugier, die Kinder an den Tag legen. Sie sind wissbegierig, möchten alles erfahren, ausprobieren, selbst können. Das Erleben von Selbstwirksamkeit ist ein essentieller Faktor für eine gesunde Persönlichkeitsentwicklung.

Manche Eltern neigen dazu ihre Kinder schon in jungen Jahren mit einem Überangebot zur Förderung ihrer Talente zu versorgen. Das freie, unbeschwerte (soziale) Spiel bleibt damit oftmals auf der Strecke, was sicherlich nicht zu einer gesunden Persönlichkeitsentwicklung beiträgt. Förderung ist sinnvoll, solange genug Raum für Erholung, Spiel, Spaß und vor allem Bewegung bleibt. Ansonsten kann es schnell zu Überforderung kommen, welche sich schließlich durch Erschöpfungssymptome äußern kann. Dieser Kausalzusammenhang ist übertragbar auf sämtliche Szenarien des Alltags. Das Übermaß ist selten gut. Das gilt auch für die Nutzung digitaler Medien.
Ein Mittelmaß kann jedoch zur gesunden Entwicklung beitragen ohne die gesellschaftlichen Gepflogenheiten zu verdrängen oder auszublenden.
Bedenkt man die große Neugier kleiner Kinder digitalen Medien gegenüber, so liegt es nahe sie aufgrund oben erwähnter gesellschaftlicher Entwicklungen in ihrer Neugier zu unterstützen und sie im Umgang mit selbigen zu begleiten.

Medienkompetenz der Eltern für eine gesunde Entwicklung der Medienkompetenz ihrer Kinder

Lasst eure Kinder nicht alleine mit digitalen Medien. Sie müssen das Gesehene verarbeiten und darüber sprechen. Ihr könnt ihnen dabei helfen und sie lenken.

Wir entscheiden, ob wir unser Kinder mit digitalen Medien nur beschäftigen um uns Zeit zu verschaffen um ein paar Dinge zu erledigen oder ob wir sie im Umgang mit den Geräten kompetent begleiten.

Was bedeutet kompetent in diesem Zusammenhang? Kompetent bedeutet im Dschungel des mittlerweile riesigen Software-Angebots genau die Angebote zu finden, die auf die Fähigkeiten eures Kindes und seine Persönlichkeit zugeschnitten sind, immer mit dem Ziel Überforderung zu vermeiden und ein adäquates Nutzungserlebnis zu gewährleisten. Kompetent bedeutet aber auch, dass Ihr euer Gerät, Sicherheitslücken oder Fallstricke kennt (Smartphone für den eigenständigen Zugriff eures Kindes sperren, etc.).
Im Laufe der Zeit werde ich versuchen hier die ein oder andere Software persönlich unter die Lupe zu nehmen und zu bewerten sowie den sicheren Umgang mit digitalen Medien zu thematisieren.

Viele online Angebote bieten mittlerweile Lernmaterial (Liedtexte, Aufarbeitung der Handlung eines Videos, etc.), welches man mit Kindern gemeinsam durchspielen kann. Informiert euch über entsprechende Angebote (z.B. ZDF Tivi, Toggolino) und setzt euch dann – vorbereitet – gemeinsam mit eurem Kind hin. Sprecht gemeinsam darüber, was da auf dem Bildschirm passiert, egal wie alt euer Kind ist, stellt Fragen, erzählt. Kommunikation ist hierbei das A und O. Auch, wenn Kinder noch nicht (gut) sprechen können, so erkennen sie an eurer Tonlage bereits ob sie sich sicher fühlen können oder nicht. So merkt ihr schnell, ob und wie euer Kind das Gesehene oder Angewendete verstanden hat.
Das gilt natürlich nicht nur für den Medienkonsum. Verbale Kommunikation sowie Körperkontakt sind in der Beziehung zwischen euch und eurem Kind immer das A und O.

Spielerisch lernt das Kind so den Umgang mit dem Medium. Dieses Argument wird oftmals von kritischen Stimmen herangezogen um den Medienkonsum generell zu vermeiden. Auf diese Art und Weise wird ein digitales Medium ein Werkzeug, ein weiterer Gegenstand des alltäglichen Lebens. Ist das nicht der Gedanke, den wir unseren Kindern vermitteln möchten?

Digitale Medien gehören mittlerweile in unseren Alltag wie Bücher, Spiele, Verkehrsmittel, etc. Wie schön wäre es, wenn unsere Kinder schon früh lernen in gesundem Maße damit umzugehen.

Wieviel digitale Medien sind gesund für euer Kind?

Voraussetzung für eine gesunde Entwicklung im Umgang mit digitalen Medien ist ein zeitlich begrenzter Medienkonsum unter unserer Aufsicht. Ihr kennt euer Kind am allerbesten, ihr wisst, wann es genug ist. Ihr merkt ziemlich schnell, wann euer Kind überfordert ist. Das eine Kind ist früher in der Lage ein Gerät adäquat zu benutzen, das andere später. Richtet euch nach eurem Kind und eurer Intuition. Das kann ich euch auch in anderen Bereichen nur raten. Ihr seid die Experten, wenn es um euer Kind geht. Wenn Ihr absolut gegen den Kontakt zwischen Kleinkind und Medium seid, ist das auch absolut ok.

Vielleicht regt dieser Artikel jedoch den ein oder anderen Kritiker an darüber nachzudenken, dass digitale Medien unser Leben sowie das unserer Kinder aber definitiv begleiten werden und der Kontakt irgendwann von alleine stattfindet. Ich persönlich möchte mein Kind dabei gerne begleiten. So weiß ich wie es damit umgeht und kann gezielt auf unerwünschte Umgangsweisen eingehen und/oder eingreifen.

Bedenkt bei der Mediennutzung eurer Kinder allgemein, dass abends keine gute Zeit für helle Displays ist. Die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin wird durch die Helligkeit des Displays eingeschränkt, was dazu führen kann, dass eure Kinder schlechter schlafen. Zwei Stunden vor dem Schlafengehen solltet Ihr sämtliche Displays ausschalten. Das gilt auch für helle Lichtquellen. Wenn der Körper und vor allem der Kopf zur Ruhe kommen sollen, ist es sinnvoll nur noch schwache Lichter anzulassen und aufregende, flackernde Bilder zu vermeiden.
Das gilt für euch selbst natürlich genauso. Smartphones im Bett kurz vor dem Schlafen sollte zum Wohl eures Schlafes Tabu sein. Es fällt mir selbst schwer mich daran zu halten, aber ich versuche es.

Es geht nicht darum Bewegung oder die Förderung der Kreativität der Kinder durch das spielerische Entdecken der realen Welt zu ersetzen. Auf gar keinen Fall. Es geht darum die digitalen Medien kompetent in den Kinderalltag zu integrieren. Sie zu kleinen Medienexperten zu machen. Wir sind die Vorbilder für unsere Kinder. Schwer ihnen zu erklären, warum Mama ein Smartphone hat, Papa eins, Oma eins, Opa eins und sie selbst das aber noch nicht anfassen dürfen.

***

Wie geht Ihr mit dem Medienkonsum eurer Kinder um, ab welchem Alter fangt Ihr an, was darf euer Kind und wieviel? Habt Ihr Software-Tipps oder Tipps im Allgemeinen? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht?

Ich freue mich über eine rege Diskussion und würde darum bitten jede Einstellung zu akzeptieren und keinen für seinen Umgang mit dem Thema zu bewerten. Ich danke euch!

Meine Diplomarbeit behandelt das Thema „Computer in Kindergarten und Vorschule – Auswirkungen auf die kindliche Entwicklung“. Da dieses Thema sehr weitreichend ist biete ich Euch gerne an es detaillierter auszuführen. Schickt mir dazu einfach eine kurze Nachricht, was Euch besonders interessiert. Ebenso, wenn ihr im Kindergarten tätig seid und Interesse an einem Vortrag oder einer Diskussion zum Thema habt. Ich würde mich freuen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *