Mama programmiert – Und das selbst und ständig.

Mama programmiert – Und das selbst und ständig.

Was bedeutet es eigentlich für einen kleinen Zwerg von nicht einmal drei Jahren, wenn Mama beruflich programmiert? Und was genau bedeutet selbstständig in dem Zusammenhang?

Kollegen ahnen es. Es bedeutet folgendes:

1. Mama ist morgens immer müde. Das ist doof. Ich bin topfit und möchte gerne mit ihr spielen.

2. Warum starrt Mama jede freie Minute auf diesen hellen Monitor? Das muss toll sein. Zwergs Augen leuchten ebenfalls hell.

3. Wie zaubert Mama immer diese lustigen Videos auf den hellen Monitor? Ich finde Ihr Telefon dafür wesentlich spannender. Das hat sie nämlich immer und überall dabei. Ich weiß nun auch ganz genau wie ich es Ihr schmackhaft mache mich schauen zu lassen.

4. Warum hockt Mama jeden (mindestens!) zweiten Abend vor dem Monitor und klackert dabei wild auf diesem Plastik herum? Papa macht das mittlerweile auch. Mit Mama ist ja sonst nix anzufangen.

5. Warum muss ich in den Kindergarten, wenn Mama doch den ganzen Tag zuhause ist? Und wie geht dieses Arbeiten, von dem sie immer spricht?

6. Zitat: Mama, ich habe keine Zeit, ich muss noch 1000 Minuten arbeiten.

7. Ich bin krank. Mama tippt heute gar nix auf dem Plastik. Das finde ich supertoll und mir geht es gleich besser.

8. Mama riecht aus dem Mund zu jeder Tageszeit nach Kaffee. Ich liebe es trotzdem bedingungslos, wenn ich abends neben ihr einschlafen darf.

9. Papa sagt immer, wenn Mama übers Geschäft spricht, klingt sie richtig professionell. Sie findet das nicht.

10. „Ich habe 50 Eltern.“ – Opi und Oma sind meine Liebsten.

Diese Liste lässt sich endlos fortführen.

Fakt ist, als Programmierer, ob nun männlich oder weiblich, kennt die Arbeit nie ein Ende. Als Programmierer muss der Beruf eine Berufung sein, sonst klappt es nicht. Man muss den Ehrgeiz haben, sich immer wieder ranzusetzen, nicht locker zu lassen, auch wenn nichts richtig funktionieren mag.

Früher habe ich Nächte durchprogrammiert. Bin um fünf Uhr morgens ins Bett. Da hat es keinen interessiert. Heute ist das anders. Unserem kleinen Sohn ist es egal, ob ich morgens müde bin, weil wieder so viel zu tun war. Er möchte mit Mama kuscheln, spielen, möchte, dass Mama anwesend ist – geistig, seelisch, emotional, und wach soll sie sein. Und er hat recht damit, er hat ein Recht darauf.

Ich habe meine letzten Zeilen Code geschrieben einen Abend bevor wir entbunden haben. Der Bauch war ein prima Polster für meinen Laptop – im Bett mit Decke dazwischen versteht sich. Etwas wackelig durch die Tritte von unten, aber es hat super funktioniert. Es gibt keine Pause. Mein Beruf ist mein Hobby.

Ob das gut ist? Naja.

Manchmal möchte ich den Laptop an die Wand und alles hinschmeißen. Eben weil es so schwierig ist abends den Absprung ins Bett zu schaffen, eben weil unser Sohn oft bei seinen Großeltern ist, damit wir die Projekte auf die Reihe bekommen. Eben weil ich vermutlich mehr Zeit hätte mit ihm zu spielen als jetzt. Eben weil ich diesen Ehrgeiz habe bis zum letzten verspannten Nackenmuskel dieses verdammte Problem zu lösen. Irgendwie muss es doch gehen. Um halb zwölf mach ich Schluss – ganz bestimmt. „Schatz, kommst Du ins Bett? Es ist halb zwei…“, „Oh, schon wieder so spät?? – Miau.“

Ja, und dann ist da die Kehrseite. Ich kann es mir leisten meinen Sohn auch mal zuhause zu lassen, wenn er nicht in den Kindergarten gehen mag, weil er sich einfach nicht so gut fühlt. Ich kann die Arbeit zwischendurch einfach mal liegen lassen und sagen ich mach das abends weiter, wenn er schläft. Weil ich gerne programmiere, fällt es nicht ganz so schwer abends noch was zu tun. Ich muss keine Arbeiten zwischenschieben, wenn ich gerade kurz vor der Lösung eines großen Problems stehe, nur weil mein Chef der Meinung ist, das müsste jetzt unbedingt sein. Ich bin ja mein eigener. Ich trage gerne die Verantwortung für das, was ich tue. Stehe gerne in Kontakt mit meinen Kunden, liebe es mit ihnen Projekte umzusetzen, liebe es die Dinge selbst anzugehen. Ganz nach dem Motto „Create the difference.“ – Ich liebe meine Freiheit.

Fakt ist, das Leben einer Familie, wo die Mama programmiert und der Papa designed und das noch dazu selbst-ständig, ist für ein Kind ein anderes. Es ist nicht immer leicht den strukturierten Tagesablauf einzuhalten, es ist nicht immer leicht Zeit für die Beziehung zu finden, von Freunden wollen wir gar nicht reden. Es ist von Vorteil, wenn der Partner Verständnis hat für das, was man tut, und es ist wunderschön, wenn er versteht, wovon man redet, wenn es heißt Ruby hat die Schienen betreten und ist auf dem Weg zu Ember, den Kaffee in der Tasche. Wenn er versteht, was es bedeutet, wenn man nur noch zehn Zeilen coden muss um den Durchbruch zu schaffen, auch, wenn es schon vier Uhr morgens ist.

Sicher, manchmal frage ich mich, wofür ich das alles tue, wofür ich nachts teilweise nur drei Stunden geschlafen habe, weil mein Sohn so viel trinken wollte und ich doch erst um zwei ins Bett bin – für eine Website (!). Die kann man nicht einmal anfassen. Ein falscher Befehl und die ganze Arbeit ist futsch. Ach nein, stimmt, wir machen ja alle regelmäßig brav unsere Backups. Wofür?, frage ich mich.

Und dann ist da wieder diese Sucht. Die Sucht danach, das Problem zu lösen.

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